Alte Haustierrassen werden erhalten
Frankenberg-Rengershausen (sr). Mehr als 50 Gäste erlebten mit dem Landtagsabgeordneten Reinhard Kahl (SPD) bei der dritten Station seiner Sommertour in Rengershausen seltene Pferde, Rinder und Schafe.
Pfarrer Uwe Hesse und Kaufmann Hartmut Müller haben sich seit vielen Jahren dem Erhalt alter Rassen und der Landschaftspflege ver- schrieben. Neben Rotem Höhenvieh und Englischen Parkrindern züchten sie auch Dülmener Pferde und Kärntner Brillenschafe. Sie streben die Anerkennung als Arche-Hof an. Dr. Sommer lobte den vorbildhaften Betrieb mit „hohem züchterischen Input“. Nicht die Vermarktung, son- dern die Rasseerhaltung stehe im Vordergrund.
Über 50 Interessierte aus dem gesamten Landkreis unter- nahmen eine 90-minütige Wan- derung über die Hochflächen der Rengershäuser Gemar- kung. Sie genossen den herrlichen Ausblick ins Sauerland.

Reinhard Kahl und zahlreiche weitere Besucher erlebten am Dienstagabend seltene Pferde, Rinder und Schafe.                © Frank Seumer
Der stellvertretende Rengers- häuser Ortsvorsteher Wolf- gang Dauber hob die Bedeutung der Landwirtschaft und Landschaftspflege für den Tourismus in der Wander- region hervor.
Erste Station war die Weide der Englischen Parkrinder nahe der Wüstung Bergershausen. Weltweit existieren nur noch rund 1000 Tiere der ältesten Rinderrasse, die durch ihre weit ausladenden Hörner an Auerochsen erinnern. Jüngster Spross der 20-köpfigen Herde in Rengershausen ist das dreitägige Kälbchen „Latoria“. Pfarrer Uwe Hesse erläuterte genetische Hintergründe und die gute Eignung der Tiere für die Landschaftspflege. An der nächsten Weide bestaunten
die Teilnehmer fünf Dülmener Pferde, darunter auch eine 23-jährige Stute. Uwe Hesse und Hartmut Müller arbeiten eng mit dem Naturpark Lüneburger Heide zusammen, wo die leichten und sehr zutraulichen Pferde eben- falls zur Pflege von Trocken- flächen eingesetzt werden. Entlang des Weges erläutert Hesse, begleitet von seinem mexikanischen Nackthund „Frodo“, die Merkmale der giftigen Pflanze Jakobskreuz- kraut. Sie breite sich im Zuge der Klimaerwärmung weiter aus und bereite Landwirten große Probleme im Futter. Begeistert waren die Gäste danach von der großen Herde Rotes Höhenvieh mit dem Bullen „Erlkönig“. Das ehemalige Dreinutzungs- rind der Mittelgebirge erlebt seit 25 Jahren ein Renaissance (FZ berichtete). Der ehemalige Vorsitzende des hessischen Vereins zur Erhaltung des Roten Höhenviehs Rainer Oswald aus Battenhausen erläuterte Merkmale und Zuchtziele der Rinder. „Mit der Einführung des Bulldoggs wurden die Roten damals abgeschafft“, berichtete Oswald.
Auf der Rengershäuser Weide steht mit „Alma“ die derzeit reinblütigste noch lebende Kuh. Ferner züchten Hesse und Müller seit Frühjahr 2010 auch Kärtner Brillenschafe, ebenfalls eine bedrohte Rasse. Sie weideten hinter dem Pfarr- haus in der Hombergstraße.
Im Gemeindehaus ging Pfarrer Uwe Hesse mit einer Bilderpräsentation auf die Motive seines Engagements ein. „Ich sehe eine kulturelle Verpflichtung, die alten Ras- sen zu erhalten und weiter zu entwickeln“, betonte Hesse. Unter dem Titel „Schöpfungs- verantwortung“ nannte er auch religiöse Gründe.
Reinhard Kahl freute sich über das Interesse an seiner Sommertour: „Nicht nur Fachwerkhäuser gehören in die Region, auch die alten Haustierrassen sind wichtiger Bestandteil unserer Land- schaft“. Die nächste Station ist am morgigen Freitag das Museum Odershausen, wo Schafe und Bienen vorgestellt werden.