Englischer Bulle sorgt für neues Blut
Bundesarbeitsgemeinschaft "Englisches Parkrind" in Rengershausen - Ziel: Erhalt der seltenen Rasse
Der Bestand der weißen Rinder mit schwarzen Abzeichen wird von nur noch 50 anerkannten Zuchttieren aufrecht erhalten. Einige davon leben in Rengershausen.

Frankenberg-Rengershausen
Vertreter der Bundesarbeits- gemeinschaft „Englisches Parkrind“ trafen sich in Rengershausen zur Fachta- gung. Bei dem Zusammen- schluss handelt es sich nach Auskunft von Ortspfarrer und Rinderhalter Uwe Hesse um einen kleinen Kreis von nur vier Kooperations- partnern, die Englische Parkrinder halten.
Insgesamt bilden nach Kenntnis des landwirtschaft- lichen Leiters im Zentrum für alte Haus- und Nutztier- rassen, Eike Fandrey, gegenwärtig nur etwa 50 anerkannte Zuchttiere den kontinentaleuropäischen Be- stand der bedrohten Rasse.
Auf die Präsenz der Tiere in Großbritannien wird bereits in vorchristlichen Quellen hingewiesen; heute messen Agrarhistoriker den Park- rindern eine Bedeutung im frühen Opferkult des keltischen Druidentums zu.

Züchtergespräch auf der Weide: Diplomlandwirt Eike Fandrey (links) erörtert mit Tierwirt Mario Nagel (Karlsruhe) und Hartmut Müller (Rengershausen) die Haltung von Parkrindern im Rengershäuser Kesslergrund.
Parkrinder leben in ihrer Heimat teils in großräumigen Landschaftsparks und dien- ten dem Adel als Jagdwild. Man betrachtet die Rasse heute, verschiedene Her- kunftstheorien zusammen- fassend, als bronzezeitliche Rinder, die in kleinen Be- ständen bis zur Gegenwart in Reinzucht überleben konn- ten. Der englische Thronerbe Prinz Charles ist Schirmherr über die Erhaltungszucht der schwarzweißen Rinder.
Inhalt der Beratungen im Frankenberger Stadtteil Rengershausen war das wei-
tere Vorgehen und die Koordinierung der Zucht so- wie der Ringtausch von Bullen. Dabei gilt es auch, Inzucht zu vermeiden. Dafür hat die Arbeitsgemeinschaft vor Kurzem drei Färsen und einen Zuchtbullen von der Wimpole Farm bei Cam- bridge gekauft.
Der fünfjährige Importbulle „Bombardier“ wurde am vergangenen Freitag anläss- lich des Jahrestreffens vom Wardersee in Schleswig-Hol- stein zum Deckeinsatz nach Rengershausen gebracht.
Der Bundesarbeitsgemein-
schaft gehört neben dem Haustierpark in Warder auch der Betrieb von Mario Nagel in Karlsruhe an, der eine 1000- köpfige Mutterschaf- herde hält und sich nebenbei der Zucht von bedrohten Haustierrassen widmet. Weitere Mitglieder sind der Haustierpark in Lelkendorf in Mecklenburg-Vorpom- mern unter Leitung des Zoologen Dr. Jürgen Gün- therschulze sowie die Landwirtschaftliche Zucht- gemeinschaft von Hartmut Müller und Uwe Hesse im Frankenberger Stadtteil Rengershausen. Günther- schulze konnte dieses Mal nicht zum Jahrestreffen an- reisen; ein Rind hatte ihn beim Umtrieb durch Tritte am Unterkiefer verletzt, so dass er nicht reisefähig war. Güntherschulze gilt als Ken- ner der internationalen Rin- derszene und ist gleichzeitig Vorsitzender der Gesell- schaft für Internationale Nutztierrassenvielfalt in Deutschland. Als früherer Leiter des Tierparks Arche Warder hatte er die ersten Parkrinder nach Deutschland importiert.