Die Rinder werden eingefangen: (von links) Uwe Hesse, Hartmut Müller und Michael Naglatzki treiben die Tiere zum Ausgang der Weide, wo sie auf einen Hänger geladen werden.                                                                                                                           (Fotos: Paulus)
Die Filmstars reisen ab
Park-Rinder, die in ´Die Päpstin´ mitspielen, wurden in Rengershausen verladen
Rengershausen. Roter Tep- pich. Kameras. Interviews. Von wegen! Ganz ohne Me- dienrummel sind gestern in Rengershausen drei Filmstars abgereist: Englische Park-Rin- der, die im Kinofilm „Die Päps- tin“ mitgespielt haben. Nach den Aufnahmen waren sie drei Monate lang zu Besuch in der Herde von Pfarrer Uwe Hesse und Hartmut Mül- ler in Rengers- Uwe Hesse      hausen. Ges- tern wurden sie zurück in den Tierpark Warder nach Schles- wig-Holstein gebracht.
Die Schauspiel-Karriere der drei Rinder klingt schon ku- rios:Für den Spielfilm „Die Päpstin“, den Bernd Eichinger und Sönke Wortmann derzeit drehen, wurde auf der Burg Querfurt in Sachsen-Anhalt eine früh-mittelalterliche Ku- lisse des 9. Jahrhunderts auf- gebaut. „Dafür wurden auch historische Haustierrassen ge- braucht, die es damals schon gab“, erklärt Pfarrer Uwe Hes- se.
Die Englischen Park-Rinder sind dafür bestens geeignet, ihre Rasse ist etwa 2500 Jahre alt. Und somit wurden Gloria, Gale und Theodora, drei Rin- der des Tierparks in Warder,
ohne Casting zu Filmstars – zumindest zu Statisten.
Auch Uwe Hesse und Hart- mut Müller züchten in Ren- gershausen diese seltene Rin- derrasse, von der es weltweit nur 1000 Tiere gibt, in Deutschland nur 50. 14 von ih- nen leben im Rengershäuser Kesslergrund. Damit frisches Blut in die Herde kommt, war nun neben den drei Film-Rin- dern auch der Bulle Bombar- dier zu Besuch – zum Decken. „Der Inzuchtanteil der Herde ist sehr groß, das ist genetisch problematisch“, sagt Hesse. Auch der Bulle, den der Tier- park Warder über eine Spen-
denaktion aus England ge- kauft hatte, machte sich ges- tern zurück auf die Reise nach Schleswig-Holstein.
„Es hat besser geklappt, als ich dachte“, sagte Uwe Hesse nach dem Verladen der Tiere. Die Rinder wurden auf der Weide im Kesslergrund ohne große Gegenwehr in einen Viehwagen von Hartmut Mül- ler getrieben. Aus dem heraus kamen sie dann in den Hänger des Tierparks.
Dass sie im Winter noch auf verschneiten Weiden leben, mache den Englischen Park- Rindern nichts aus, sagt Uwe Hesse. „Sie stehen lieber drau-
ßen, obwohl sie eine Weide- hütte haben, auch bei Eis und Schnee. Sich unterzustellen, ist ihnen wesensfremd.“ Ge- füttert werden sie mit Silo- Gras.
Uwe Hesse und Hartmut Müller züchten die Park-Rin- der seit 2003. Die beiden ko- operieren mit dem Tierpark Warder, um den Bestand der seltenen Tiere zu erhalten. Dazu gehört eben auch ein Gastbesuch in Rengershausen. Dass der gestern ohne großes Aufsehen zu Ende ging – den tierischen Filmstars schien es egal zu sein. Statt rotem Tep- pich gab’s eben Kuhfladen.

Zwischenstopp: Im Viehwagen von Hartmut Müller wurden die Rinder und Bulle Bombardier (links) von der Weide zum Transporter gebracht, der sie nach Schleswig-Holstein zurückfuhr.